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Ratgeber · 18.08.2026

Asiatische Hornisse: Nest erkennen und entfernen lassen

Primärnest oder Sekundärnest? Wie Sie die Asiatische Hornisse von der geschützten heimischen Art unterscheiden — und warum die Behörde in NRW nicht mehr zahlt.

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) ist seit 2023 in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen und hat sich seitdem rasant ausgebreitet. Für Hausbesitzer, Betriebe und Imker hat sich damit 2025 etwas Grundlegendes geändert: Seit März 2025 gilt die Art in NRW als „etabliert" — die Unteren Naturschutzbehörden entfernen die Nester nicht mehr flächendeckend und nicht mehr kostenlos. Wer heute ein Nest am Haus hat, ist selbst zuständig. Dieser Beitrag erklärt, woran Sie die Art erkennen, warum der Unterschied zwischen Primär- und Sekundärnest über das ganze weitere Vorgehen entscheidet, welche Gefahr real ist — und welche nicht — und wie eine fachgerechte Entfernung abläuft.

Warum die Asiatische Hornisse ein Thema ist — und warum jetzt

Die Art stammt aus Südostasien und wurde vermutlich 2004 mit Frachtgut nach Frankreich eingeschleppt. Von dort hat sie sich über Westeuropa ausgebreitet. Seit dem 3. August 2016 fällt sie unter die EU-Verordnung 1143/2014 als invasive Art von unionsweiter Bedeutung. Der erste Nachweis in Nordrhein-Westfalen fiel 2023 im Rhein-Erft-Kreis; inzwischen liegen Funde unter anderem aus Köln, Bonn, Düsseldorf, Duisburg, dem Kreis Wesel und entlang der Hellweg-Achse bis in den Kreis Soest vor.

Der entscheidende Einschnitt kam im März 2025: Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW stufte die Art als etabliert ein. Damit entfielen sowohl die behördliche Meldepflicht als auch die flächendeckende Bekämpfung durch die Unteren Naturschutzbehörden. Für Sie hat das zwei Seiten. Die unangenehme: Der Anruf beim Ordnungsamt führt heute in aller Regel nicht mehr zu einer kostenlosen Nestentfernung — wer sein Grundstück, seine Bienenvölker oder seinen Betrieb schützen will, beauftragt einen Fachbetrieb. Die gute: Sie müssen auf niemanden mehr warten. Die Asiatische Hornisse steht nicht unter Artenschutz, es braucht weder eine Meldung noch eine Genehmigung — ist die Art bestätigt, können wir das Nest sofort entfernen.

Erkennen: Asiatische Hornisse oder Europäische Hornisse?

Diese Unterscheidung ist die wichtigste des ganzen Themas — denn sie entscheidet darüber, ob überhaupt gehandelt werden darf. Die heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro) steht unter besonderem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Ihr Nest ohne Ausnahmegenehmigung zu entfernen oder die Tiere zu töten, ist eine Ordnungswidrigkeit und kann empfindliche Bußgelder nach sich ziehen.

Die sichersten Unterscheidungsmerkmale:

  • Größe: Die Asiatische Hornisse ist mit rund 2 bis 3 cm deutlich kleiner als die heimische Art (bis 3,5 cm).
  • Grundfarbe: Sie wirkt insgesamt dunkel bis schwarz. Die Europäische Hornisse ist überwiegend rotbraun-gelb gezeichnet.
  • Beine: Das eindeutigste Merkmal im Flug und im Sitzen — die Asiatische Hornisse hat auffällig gelbe Beinenden, wie in gelbe Socken getaucht.
  • Gesicht: orange-gelb, dazu ein dunkler Brustabschnitt.
  • Aktivität: Die Asiatische Hornisse fliegt nicht nachts. Wer nachts Hornissen am beleuchteten Fenster hat, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit die geschützte heimische Art.

Im Zweifel gilt: nicht raten, sondern bestimmen lassen. Ein Foto genügt uns meist für eine erste Einschätzung — und die kostet Sie nichts.

Primärnest und Sekundärnest: der Unterschied, der alles entscheidet

Anders als heimische Wespen und Hornissen baut Vespa velutina im Jahresverlauf zwei Nester. Wer das nicht weiß, sucht am falschen Ort — und übersieht die einzige wirklich günstige Gelegenheit zum Handeln.

Das Primärnest — klein, tief, im Frühjahr

Die Jungkönigin beginnt im Frühjahr allein. Ihr erstes Nest legt sie meist in ein bis zwei Metern Höhe an, gern regengeschützt und in Bodennähe: in Hecken, Gartenlauben, Carports, Schuppen, unter Dachvorsprüngen, in Rollladenkästen oder Geräteschuppen. Es hat etwa die Größe einer Faust bis eines Handballs, und sein Flugloch zeigt nach unten.

Das ist der Zeitpunkt, an dem eine Entfernung am einfachsten, sichersten und günstigsten ist. Ein Primärnest zu finden, bevor das Volk umzieht, hat die mit Abstand größte Wirkung — hier lässt sich ein komplettes Volk mit später mehreren tausend Tieren verhindern.

Das Sekundärnest — groß, hoch, im Sommer

Wird das Primärnest zu eng, zieht das Volk im Juli oder August um. Das Sekundärnest hängt typischerweise in zehn bis dreißig Metern Höhe in einer Baumkrone, manchmal auch an hohen Gebäudeteilen. Es erreicht die Größe eines Medizinballs und mehr, sein Flugloch sitzt seitlich, und es beherbergt am Saisonhöhepunkt oft 2.000 Tiere und mehr. Weil Laub das Nest verbirgt, wird es häufig erst im Herbst entdeckt, wenn die Bäume kahl werden — dann ist die Saison praktisch gelaufen und die Jungköniginnen sind bereits ausgeflogen.

Für die Entfernung eines Sekundärnests braucht es Höhenzugang, geeignete Schutzausrüstung und Erfahrung. Das ist kein Fall für die Leiter im Garten.

Wie gefährlich ist die Asiatische Hornisse wirklich?

Hier trennen wir bewusst Fakten von Schlagzeilen — auch weil übertriebene Angst zu falschen Entscheidungen führt.

Für den Menschen im Alltag: Die Asiatische Hornisse gilt in Europa dem Menschen gegenüber nicht als aggressive Art. In den betroffenen Regionen Westeuropas wurde keine Zunahme von Stichen berichtet. Ihr Stich ist nicht giftiger als der heimischer Hornissen. Wer ihr im Garten oder am Efeu begegnet, ist nicht in Gefahr.

Am Nest ist die Lage eine andere: Das Nest wird energisch verteidigt. Empfohlen wird ein Sicherheitsabstand von etwa vier bis fünf Metern — bei Erschütterungen, Rasenmähern, Heckenscheren oder Arbeiten am Gebäude entsprechend mehr. Genau hier entstehen die realen Zwischenfälle: Jemand schneidet die Hecke und trifft ein verborgenes Primärnest. Für Allergiker, Kinder und Haustiere ist das ein ernstes Risiko.

Der große Schaden trifft die Bienen: Rund zwei Drittel ihrer Nahrung besteht in Europa aus Honigbienen. Die Hornissen stehen im Rüttelflug vor dem Flugloch und fangen heimkehrende Sammlerinnen ab. Für das Bienenvolk ist nicht nur der direkte Verlust das Problem, sondern die Flugblockade: Die Bienen trauen sich nicht mehr heraus, sammeln nicht mehr ein und gehen über den Winter geschwächt oder gar nicht durch. Für Imker in NRW ist das inzwischen ein existenzielles Thema.

Was Sie selbst tun können — und was Sie besser lassen

  • Nicht selbst entfernen. Weder mit Spray noch mit Wasser, Feuer oder Staubsauger. Ein gestörtes Nest führt zu einem gemeinsamen Verteidigungsangriff — und bei falscher Bestimmung entfernen Sie womöglich ein geschütztes heimisches Hornissennest.
  • Abstand halten und absperren. Bereich um das Nest meiden, Kinder und Haustiere fernhalten, keine Gartenarbeit in der Nähe.
  • Fotografieren — aus sicherer Entfernung. Ein Foto von Tier oder Nest reicht uns meist für die Bestimmung.
  • Nicht auf eine Behörde warten. Eine Meldung ist für die Entfernung nicht nötig und keine Voraussetzung — wir können sofort handeln, sobald die Art bestätigt ist. Freiwillig gemeldet werden darf die Sichtung natürlich weiterhin: Die Meldeportale leben von solchen Beobachtungen, und Imker in der Nachbarschaft profitieren davon.
  • Im Frühjahr aufmerksam sein. Wer im April und Mai Lauben, Carports, Schuppen und Hecken im Blick behält, findet Primärnester — und spart sich den teuren Sommerfall.

Wie wir vorgehen

Unser Ablauf ist immer derselbe, weil er sich bewährt hat:

  1. Bestimmung. Foto per WhatsApp oder Beschreibung am Telefon — wir klären zuerst, ob es überhaupt die Asiatische Hornisse ist. Die Ersteinschätzung ist kostenlos. Bestätigt sich die Art, dürfen wir ohne Genehmigung handeln. Ist es dagegen die geschützte heimische Hornisse, sagen wir Ihnen das ehrlich — und gehen dann den Weg über die Untere Naturschutzbehörde (siehe unten).
  2. Befund vor Ort. Wir lokalisieren das Nest, prüfen Zugänglichkeit und Höhe und legen das Verfahren fest. Sie bekommen einen Festpreis, bevor gearbeitet wird.
  3. Entfernung. Mit Schutzausrüstung und passender Technik — je nach Lage vom Boden aus mit Teleskopstange oder mit Höhenzugang. Das Nest wird vollständig entnommen und fachgerecht entsorgt, damit keine Königin ausfliegt.
  4. Kontrolle. Wir prüfen das Umfeld auf weitere Nester und dokumentieren den Einsatz — für Betriebe, Hausverwaltungen und Imker mit schriftlichem Bericht.

Häufige Fragen

Muss ich die Asiatische Hornisse in NRW melden, bevor etwas passieren darf?

Nein. Eine behördliche Meldepflicht besteht in Nordrhein-Westfalen seit der Einstufung als etablierte Art im März 2025 nicht mehr, und eine Genehmigung braucht es für die Entfernung ebenfalls nicht — die Art steht nicht unter Artenschutz. Sie müssen also auf keine Behörde warten. Freiwillig melden können Sie die Sichtung weiterhin: Das hilft, die Ausbreitung zu verfolgen und Imker in der Nachbarschaft zu warnen.

Und wenn es doch die heimische Hornisse ist — an der Haustür oder im Rollladenkasten?

Dann gilt ein anderer Weg, denn die Europäische Hornisse ist nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt: Nest und Tiere dürfen nicht ohne Weiteres entfernt werden. Sitzt das Nest aber an einer kritischen Stelle — direkt am Hauseingang, im Rollladenkasten am Kinderzimmer, am Zugang eines Betriebs, oder lebt im Haushalt ein Allergiker —, liegt Gefahr im Verzug vor. In solchen Fällen erteilt die Untere Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung. Wir kennen den Weg, beantragen die Freigabe und setzen anschließend um, was zulässig ist: bevorzugt Umsiedlung statt Entfernung.

Zahlt die Stadt die Nestentfernung?

In der Regel nicht mehr. Mit dem Wegfall der flächendeckenden Bekämpfung liegt die Entfernung beim Eigentümer. Bei Mietobjekten ist üblicherweise der Vermieter beziehungsweise die Hausverwaltung zuständig, weil das Nest am Gebäude sitzt.

Kommen die Hornissen an derselben Stelle wieder?

Ein entferntes Nest wird nicht erneut besiedelt — Hornissen bauen jedes Jahr neu. Der Standort selbst kann jedoch attraktiv bleiben. Deshalb schauen wir uns bei der Kontrolle an, was den Platz so einladend macht.

Was kostet die Entfernung?

Das hängt vor allem von Höhe und Zugänglichkeit ab: Ein Primärnest im Schuppen ist ein anderer Aufwand als ein Sekundärnest in zwanzig Metern Baumhöhe. Deshalb nennen wir den Festpreis nach dem Befund — und er ändert sich nicht an der Tür.

Ich bin Imker — was hilft am schnellsten?

Kurzfristig: Fluglochverengung und Beobachtung der Rüttelflüge, um den Druck zu erkennen. Mittelfristig hilft nur, das Nest im Umfeld zu finden und zu entfernen. Wir arbeiten mit Imkern zusammen und stimmen das Vorgehen mit ihnen ab.

Der wichtigste Satz zum Schluss

Die beste Zeit, ein Nest der Asiatischen Hornisse zu entfernen, ist das Frühjahr, wenn es noch faustgroß in der Laube hängt. Die zweitbeste ist jetzt — und Sie brauchen dafür weder eine Meldung noch eine Genehmigung. Wenn Sie unsicher sind, welche Art Sie vor sich haben: Schicken Sie uns ein Foto. Die Einschätzung kostet nichts, und sie entscheidet, welcher der beiden Wege gilt — sofort handeln oder erst die Freigabe für das geschützte Tier einholen.

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